"Nathan" im Staatstheater Stuttgart

 

 

Eine Rezensions-Kollage...

Eine Szene aus den Kämpfen im Nahen Osten. Eine Hotellobby, in der Menschen Geld- und Glaubensgeschäfte ausführen, während drum herum Detonationen, Rauch und Staubschwaden wirbeln. Unter ihnen Peter Kurth, der den toleranten Juden Nathan spielt, der immer wieder mit Wutausbrüchen zu kämpfen hat, bei denen er laut und unverständlich herumbrüllt. Julia Dettling

„Nathan der Weise“ ist ein Klassiker. Fast jeder liest beziehungsweise hat das Drama aus der Zeit der Aufklärung in der Schule gelesen. Lessing stellt in einem seiner berühmtesten Werke die Toleranz zwischen den Religionen und deren Versöhnung in einem Familiendrama dar. Die Ringparabel, der Höhepunkt des Stückes, ist, obwohl schon mehrere hundert Jahre alt, immer noch sehr logisch, wichtig und aktuell. Die Themen, um die es geht, lassen die Menschheit nie ganz los. Deshalb wird das Drama immer noch sehr oft aufgeführt. Auch in Stuttgart inszenierte Armin Petras das Stück auf eine moderne Art mit einer dreistündigen Aufführung. Luisa Vogel

Die Hauptdarsteller im Drama sind Nathan, ein weiser und reicher Jude, der für die Aufklärung steht, der Tempelherr, ein teils aufgeklärter Christ, Recha, die christliche Pflegetochter Nathans, und Sultan Saladin, ein muslimischer Herrscher mit einem widersprüchlichen Charakterbild. Doch in der Theateraufführung in Stuttgart am 18. März wurde Nathan (Peter Kurth) als nicht ganz so weise dargestellt, Recha (Ofelia Popij) als eine dumme Teenagerin und Saladin (Horst Kotterba) als sehr verrückt. Raman Altintas

Durch unpassende und störende Witze wurde die wirkliche Botschaft des Stückes eher kaputt gemacht. Adrian Jelkic

Petras ließ seine Schauspieler meist alle gleichzeitig auf der Bühne stehen, auch das Bühnenbild veränderte er während der Vorstellung kaum. Was die Charaktere angeht, veränderte er hingegen viel: die drei christlichen Charaktere wurden in einem zusammengefasst, was für einige Verwirrung im Publikum sorgt. Andere Personen und Handlungen wurden hinzugefügt, die man aus dem Originaldrama nicht kennt. Vanessa Müller

Der Höhepunkt der Inszenierung war eindeutig nach der Pause, als Daja (Katharina Knap) sich ein Hochzeitskleid vom Körper gerissen hatte, ihr Oberkörper frei war und sie nur eine Unterhose anhatte. Laura Schief

Doch man konnte interpretieren, was man wollte, und kam nicht zu einer logischen Erklärung dafür, weshalb sich eine 17-Jährige wie ein Kleinkind verhält, eine erwachsene Frau nackt über die Bühne rennt und ein Zimmermädchen sich in einen Schrank zwingt und von Büchern fast erschlagen wird. Nathan, von Peter Kurth gespielt, hatte nicht wirklich etwas von seinem Charakter aus dem Drama mit auf die Bühne genommen. Der sonst so einfühlsame, menschenverständliche und oft optimistische Jude wird als tiefpessimistischer Aufklärer der Zweideutigkeit inszeniert. Schade, denn bei Lessing hatte Nathan den Charakter eines Menschen, mit dem man gerne befreundet wäre. Laura Schmidt

Die Inszenierung rückt die ganze Geschichte in die Gegenwart, weg von den Kreuzzügen, hinein in die Kriege des Nahen Ostens. Dies wird durch Bombengeräusche und Filme von Kriegsflugzeugen auf Leinwänden dargestellt. Luisa Vogel

Die Bühne von Dragos Buhagiar und Julian Marbach ist eine zerbombte Hotellobby. Immer wieder wurde das Publikum von hereinfliegenden Bomben erschreckt. Im Nahen Osten ist das die Alltagssituation. Auch orientiert sich Armin Petras nur leicht an Lessings Happy End. Am Ende steht nämlich Sultan Saladin allein auf der Bühne und grölt auf der E-Gitarre "Highway to Hell". "Friede-Freude-Eierkuchen" scheint wohl noch für längere Zeit nicht in Sicht zu sein. Lea Hartung

Armin Petras hat die heutige Situation aufgegriffen und gezeigt, dass es erst einmal nicht dazu kommen wird, dass sich die Weltreligionen zusammenfinden und auch zusammenarbeiten. Saskia Huttenlocher

Die Zuschauer in dem gut gefüllten Saal hatten sich wohl etwas anderes vorgestellt, denn nach der Pause war es dann schon deutlich leerer und auch während der Vorstellung verließ der ein oder andere den Saal. Somit ist es dem Regisseur wohl eher gelungen, dass der Theaterbesucher sich kopfschüttelnd fragt, was er eigentlich im Theater macht. Selbst wenn man nicht die intellektuellste Vorstellung bekommen hat, hat man doch etwas, über das man sich (kopfschüttelnd) unterhalten kann. Luisa Vogel

Abschließend lässt sich sagen, dass das Stück in Stuttgart durch zu moderne, fast peinliche Auftritte an Tiefsinn verloren hat und starke Momente wie beispielsweise die Ringparabel nicht als wesentliche Inhalte vermittelt wurden. Die Ringparabel, das eigentliche Kernstück des Dramas, lehrt Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen. Doch auch diese Botschaft musste man in dem Stück suchen. Julia Dettling

Der Besuch der Klasse 10e im Staatstheater fand am 18. März statt, einen Tag nach der Premiere. Zuvor hat die Klasse das Theaterstück „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing im Unterricht behandelt.

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