GuppenbildNach einem langen Jahr des Wartens war es endlich für unsere kleine aber feine Gruppe Berlin-Fahrer soweit: Am Montag den 19.7. brachen wir auf, um die Bundeshauptstadt unsicher zu machen. Nach mehr als fünf Stunden Zugfahrt und einer kleinen Eingewöhnungsphase bekamen wir eine Führung durch „unser Stadtviertel“, den Prenzlauer Berg, das unter anderem das Käthe Kollwitz-Haus, die größte jüdische Synagoge und den jüdischen Friedhof beherbergt.
Unser Ausflug war schon zu dieser frühen Stunde mit Missgeschicken gespickt, als wir empört feststellen mussten, dass die beste Currywurst-Bude der Stadt, die genau in unserer Nachbarschaft lag, wegen Bauarbeiten abgerissen wurde und wir uns somit mit zweitbesten Currywürsten begnügen zu haben schienen. Im Hirschgarten, einem Komplex aus vier aneinander gereihten Hinterhöfen, wurde unsere kleine Gruppe dann versehentlich eingeschlossen. Bevor Frau Wenger-Morschett und Herr Vohl jedoch einen Fluchtplan über die Zäune der umliegenden Grundstücke ausarbeiten mussten, eilte uns eine Anwohnerin zu Hilfe und befreite uns aus dieser misslichen Lage. Abends konnten wir unsere Zeit frei gestalten und so machten sich einige von uns auf an die Spree, während andere sich ein Autogramm von Arthur Abraham vor unserem Hotel ergatterten.

 

Tag 2 begann für uns mit einer Stadtrundfahrt im Doppeldecker-Bus „oben ohne“. Unsere Stationen dabei waren natürlich die bekannten Touristenattraktionen, wie das Brandenburger Tor, die Siegessäule und die Museumsinsel, aber auch Kreuzberg und die East Side Gallery. Dabei versuchte uns der Führer mit seiner typischen „Berliner Schnauze“ mit mehr oder weniger gelungenen Witzen zu unterhalten (ein Beispiel: „Manche Leute behaupten im KaDeWe gäbe es alles, aber fragt mal nach Kürbismarmelade mit ganzen Früchten ….“). Nicht einmal der Ausfall des Mikrofons konnte ihn von seiner Mission abbringen.
Nach einer kurzen Essenspause besuchten wir das größte aller Ministerien, das Ministerium für Arbeit und Soziales, den Sitz von Ursula van der Leyen. Auch hierbei machte sich unsere Pechsträhne bemerkbar, da die eigentlichen Experten, die uns führen sollten sich alle im Urlaub befanden und uns die Vertretung weniger Informationen liefern konnte als unsere Lehrer. Sie konnte uns nur versichern wie „schön“ der alte, unter dem Nazi-Regime erbaute, Betonkasten sei.
Die darauf folgende „freie-Gestaltungs-Phase“ wurde individuell auf dem Kurfürstendamm (der bekanntesten Einkaufsstraße Berlins) oder zum Blondieren der Haare (von unseren männlichen Teilnehmern) genutzt.

Der folgende Tag stand voll und ganz im Zeichen der Politik: bei einem Gespräch mit dem SPD-Bundesabgeordneten für Verteidigung Rainer Arnold (einem eingefleischten Filderstädter!) wurden all unsere Fragen bezüglich der Wahlen im vergangenen Jahr, dem Sparpacket der Regierung und Weiteres präzise und ehrlich beantwortet. Nach einem Imbiss im Ministerium erhielten wir schließlich einen Einblick in das „Herz Deutschlands“, den Bundestag, in dem man wie einige von uns feststellen mussten, nicht auf dem Fußboden sitzen darf!
An diesem Tag waren wir ausnahmsweise zur richtigen Zeit am richtigen Ort und konnten so vor dem Kanzleramt eine Empfangsparade von und mit der Kanzlerin, wahrscheinlich für den polnischen Staatspräsidenten mitverfolgen.
Abends stand dann der von uns gewünschte Kabarettbesuch bei „der Distel“ an. Die dort gezeigte Satire befasste sich mit der Frage wie das heutige Leben in der BRD wohl aussehen würde, wenn vor 20 Jahren der Osten den Westen annektiert hätte.

Tag 4 führte uns dann in den berüchtigten „Osten“, ins ehemalige Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Unser dortiger Führer war selbst Opfer des Stasi-Regimes und vermittelte uns dadurch einen interessanten Einblick in die damalige Zeit.
Unser Fazit daraus war, dass man zu dieser Zeit nicht einmal seinen eigenen Freunden trauen konnte und dass sich die Folter- und Spionage-Methoden nicht sonderlich von jenen während des Dritten Reiches unterschieden.
Anschließend besuchten wir das Museum am Checkpoint Charlie, dem damaligen offiziellen Grenzübergang zwischen West- und Ostberlin, das die Geschichte derjenigen aufzeigt, die ihr Leben riskierten um aus der DDR zu fliehen, wie zum Beispiel unter der Motorhaube einer „Ente“ oder durch kilometerlange Tunnel. Auch dort hatten wir die einmalige Möglichkeit ein Gespräch mit einem Zeitzeugen zu führen, der uns seine eigene, von Menschenrechtsverachtungen geprägte, höchst emotionale Lebensgeschichte erzählte.
An unserem letzten Abend hatten wir noch einmal die Möglichkeit, die Clubs und Bars der Metropole zu erleben.

Etwas zu früh kam schließlich der Tag der Abreise, der jedoch nicht ohne einen weiteren spannenden Programmpunkt zu Ende gehen sollte: Im Museum „The Story of Berlin“ durften wir die Geschichte unserer Hauptstadt sehr plastisch erleben. Danach erhielten wir noch eine Führung durch einen, für den Falle eines dritten Weltkriegs eingerichteten, Atombunker, der jedoch gerade einmal 1% der Berliner Bevölkerung im Ernstfall retten könnte.
Damit endete offiziell unser interessantes und überaus lustiges Abenteuer in der Stadt, die erst bei Nacht richtig zu leben beginnt.

Vielen Dank an Frau Wenger-Morschett und Herr Vohl für die sehr gute Organisation.
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