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Ein grauer Oktobertag. Die Straße schlängelt sich wie im Kontrast durch den herbstgefärbten Wald. Die 150 Schüler der 10. Klassen des Eduard-Spranger-Gymnasiums in Filderstadt erreichen die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof. Nur wenige Schüler hatten bereits ein KZ gesehen, deshalb waren wir gespannt, was uns erwarten würde. Wir erhofften uns Einblicke in das alltägliche Leben und Leiden der Gefangenen. Nachdem wir an einem Informationszentrum zur Gedenkstätte vorbeigekommen waren, konnten wir die bedrohlich wirkenden Tore am Eingang zum KZ erkennen. Hier wurden wir in unsere Klassen aufgeteilt.

Unsere Fachlehrer für Geschichte übernahmen die Leitung durch das KZ, das 1941 als reines Arbeitslager in Betrieb genommen wurde, und brachten uns die Geschehnisse und Verhältnisse nahe. Zuerst wurden wir zum Standort der ehemaligen Arbeiterbaracken geführt, welche abgetragen wurden, so dass heute nur noch die Umrisse jener ärmlichen Behausungen der Häftlinge zu sehen sind. Von den 52000 Gefangenen, von denen die meisten aus Polen, der UdSSR und Frankreich stammten, wurden die meisten aus politischen Gründen inhaftiert, doch auch Juden wurden gefangen gehalten. Neben dem Weg, der in den tiefer gelegenen Teil des Lagers führte, erstreckte sich bis zum Stacheldrahtzaun die sogenannte Todeszone, bei deren Betreten jeder durch die Wachleute erschossen werden musste. Die beiden untersten Gebäude, ein Krematorium und ein Gefängnis, sind bis heute erhalten. Wegen kleinster Delikte wurden Häftlinge dort mit bis zu achtzehnt Leidensgenossen zugleich winzigen Zellen gesperrt. Das anliegende Krematorium diente zur Reinigung der Häftlinge nach NS-Vorschriften, der Verbrennung der Leichen und für pseudowissenschaftliche Menschenversuche. Die Räume strahlten noch rund siebzig Jahre nach ihrer Nutzung unter dem NS-Regime eine erschütternde Atmosphäre aus. Besonders erschreckend erschien uns der sogenannte Seziertisch in einer Kammer, in der grausamste Experimente durchgeführt wurden, sowie ein Hinrichtungsraum, in dem mehrere Hundert Menschen durch einen Genickschuss ermordet wurden.
Am Ende des Rundgangs besuchten wir das Gräberfeld mit einem flammenförmigen Monument. Hier liegen viele Widerstandskämpfer, die im KZ ihr Leben verloren haben.

Dieser Tag hat uns sehr berührt und uns hautnah gezeigt, wie grausam und menschenverachtend Menschen sein können.

Patrik Weinmann und Marc Fischer, 10e

 

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