Herr Ticali Senior zu Besuch in der Jahrgangsstufe 2

Italienischkurs erlebt deutsch-italienische Geschichte hautnah

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Diese besondere Italienischstunde verlief ein wenig anders als sonst: Ein 1964 nach Deutschland emigrierter Italiener erzählte uns im Rahmen unseres Themas „Ein- und Auswanderung in Italien“ von seinen Erlebnissen als italienischer Gastarbeiter.

Dabei handelte es sich um Herrn Ticali Senior, den Vater unseres Lehrers. Er war im Alter von 19 Jahren gemeinsam mit einem Freund nach Deutschland gekommen (die Fahrt dauerte 28 Stunden), weil die Arbeitsmarktsituation in Italien keine guten Aussichten bot. Dafür hatte er bei Mercedes in Gaggenau bei Rastatt/Baden-Baden eine Arbeitsstelle gefunden, die er 47 Jahre lang behalten hat.

Er erklärte uns, dass er gemeinsam mit einem anderen Gastarbeiter in einem Zimmer untergebracht war, man die Kochnische und somit auch heimatliche Rezepte mit anderen Arbeitern geteilt hat, zu welchen anfänglichen Verwirrungen es der Sprache wegen kam und dass er mit manchen seiner italienischen und deutschen Kollegen noch heute regelmäßigen Kontakt hat. Auch erfuhren wir, dass sein ursprünglicher Plan ganz anders war: Er wollte für zwei, drei Jahre in Deutschland arbeiten und Geld verdienen, um dann in seine sizilianische Heimat zurückzukehren, doch manchmal entwickeln sich Dinge eben anders als erwartet.

Einen schlechten Eindruck hat er von den Deutschen nicht bekommen - natürlich gebe es immer ein paar Ausnahmen-, aber er wurde als Neunzehnjähriger gut integriert und hat sich schnell wohl gefühlt. Neben tiefgehenden persönlichen Erfahrungen, spannenden Erlebnissen und auch unterhaltsamen Anekdoten aus seinem Leben bekamen wir auch Antwort auf all unsere Fragen, zum Beispiel, wie seine Mutter auf seinen Entschluss, auszuwandern, reagierte, was er zunächst vom deutschen Essen und der Sprache hielt, warum er ausgerechnet Deutschland als Ziel gewählt hatte oder ob er nun nach Italien zurückkehren wolle?

Mal bestätigten sich unsere Vermutungen, mal wurden sie widerlegt, zum Beispiel was das Thema Integration anbelangt. In entspannter Atmosphäre ließ er uns an seinen persönlichen Erlebnissen teilhaben, wobei sich stets Ernst und Humor mischten, denn wir bekamen schließlich noch ein paar (väterliche) Ratschläge aller Art mit auf den Weg, zudem den Appell, aus uns etwas zu machen und schließlich noch den Hinweis, dass bei der alljährlichen Olivenernte in seiner Heimat Helfer oder Besucher stets willkommen seien.

Das Treffen mit Herrn Ticalis Vater war eine gelungene Ergänzung unseres Unterrichts, zudem eine sehr sympathische Begegnung und alles in allem eine interessante und unterhaltsame Bereicherung! Wir danken Herrn Pietro Ticali ganz herzlich dafür, dass er uns an seiner Geschichte teilhaben ließ und bereit war all unsere Fragen zu beantworten, und Herrn Ticali für die spontane Organisation des Besuchs.

Franzi Schneider und Tabea Joos, Jg2

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